Warm. Sauber. Blinkt schön.

Es gibt  Dinge, die man über Singapur zu wissen glaubt. Es sei warm. Stimmt. Es sei sauber. Stimmt auch. Dass es blinkt, ist eine Erkenntniss, die man erst greifbar für sich macht, wenn man da ist. Aber wenn man dann da ist weiß man: es blinkt.

Es gibt auch Dinge, die man nicht für möglich hält. Zum Beispiel, dass es allen Ernstes Leute gibt, die beim Selfies machen in der Öffentlichkeit das Duckface zeigen. Aber doch, gibt es. Mach ich von jetzt an auch immer.

Außerdem scheint Singapur einer der Hauptabsatzmärkte italienischer Sportwagenschmieden zu sein. Ich gewinne schnell den Eindruck, dass es, wenn man, in einem beliebigen Auto sitzend, im Fußraum einhändig nach der runtergefallenen Kippe tastet und die Augen für den entscheidenden Moment, bevor die Ampel Rot wird, von der Windschutzscheibe nimmt, mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr teuer wird. Man trifft erschreckend schnell einen Ferrari oder Maserati. Auch deswegen, weil sich die Singapurer  (Singapuristen? Singapurianer? Singapuronen?), denen die Dinger gehören,  überraschend konsequent an die Verkehrsregeln, und damit bei Rot halten. Überhaupt, Verkehrsregeln: Ich nehme an, ich werde, sobald ich in Berlin zurück bin, beim ersten Versuch, eine Straße zu überqueren von dann unerwarteter Seite überfahren – links. Was gleichzeitig die Seite ist, auf der hier alle fahren. Was man auch über Singapur zu wissen glaubt. Was man sich aber auch erst greifbar wird wenn man da ist. Was unter Umständen fatal sein kann.

Eine Frage, die sich mir stellt: Wenn Gott wollte, dass die Menschen auf der linken Seite fahren, warum laufen die Fußgänger hier dann immer noch alle auf der rechten? Der Brexit mag wie eine harte Konsequenz auf diese Unstimmigkeit erschienen, aber letztlich ist er mit meinem Rechts-empfinden gut vereinbar. Immerhin haben die uns das eingebrockt.

Speaking of Great Britain and its former colonies: Kolonialisierung wurde oft verdammt: Menschen wurden ausgebeutet, zum Christentum gezwungen, versklavt (mit Mühe verkneife ich es mir, diese beiden Punkte kurzerhand zusammenzufassen), von unbekannten Krankheiten dahingerafft, von unbekannten Waffensystemen dahingerafft, von Unbekannten dahingerafft. Kurzum, man kann den Sinn der Kolonialisierung durchaus an der einen oder anderen Stelle in Frage stellen. Aber: In Singapur sieht man absolut einige ihrer Vorteile. Der erfahrene Asienreisende weiß um einige Tücken, denen man sich in Thailand, Vietnam, China, Laos oder Myanmar (darf man „Myanmar“ sagen, oder ist das so ein Überbleibsel der Kolonialisierung und damit nicht p.c.? Egal.)  ausgesetzt sieht: Frittierte Skorpione. Aufdringliche Tuktukfahrer. Tödliches Leitungswasser. Gutgekleidete Nepper. Sprachen jenseits aller Verständnismöglickeit. Ungenießbare Eiswürfel. Schweinefüße oder Schlangenhaut in der Suppe. Ratten. Manchmal auch in der Suppe. Das alles gibt es hier nicht, und das macht es, und an dieser Stelle oute ich mich dann wohl als einen dieser postkolonialen Wohlstandstouristen mit einer leichten Vorliebe für westlich geprägtes Essen – oder einfach einem empfindlichen Magen – wunderbar! Streetfood, dessen Verträglichkeit kontrolliert wird: super! Saubere Bürgersteige: ganz groß! Kann sich Prenzlauer Berg ’ne Scheibe von abschneiden. Flughafentoiletten mit Wickelmöglichkeit auf der HERRENtoilette: kein Scherz! Mein Ernst. Chinesen die Englisch sprechen. Verständliches Englisch: unglaublich!

Asien ohne die Nachteile Asiens, aber mit vielen Asiaten, die übrigens beim Anblick eines dicken, europäischen, gutgelaunten Babies exakt so reagieren, wie eine mitteleuropäische Babynärrin, die ein asiatisches Baby sieht. Nur mit noch höheren Stimmen.

Wenn mich jemand fragt, wie Singapur so ist: Warm! Sauber! Blinkt! Schön!